Folge deinem inneren Licht

Dem inneren Licht folgen – wenn nicht jetzt, wann dann? 

Was ist das nur, was ausgelöst wird in uns durch einen Virus namens Covid19?

Die 7,8 Milliarden Herzen große Weltbevölkerung bewegt sich gleichermaßen auf unsicherem Terrain, fühlt sich durch Balkon Gesänge miteinander verbunden und erlebt ihre Verletzlichkeit. Wir werden uns wieder der Zerbrechlichkeit unseres Lebens bewusst. Ob freiwillig oder aus der Not heraus, Veränderung findet statt, mehr oder weniger intensiv. Wenn mir etwas in Erinnerung bleibt vom Erlebnis des Corona-Lockdowns 2020 – dann ein aufkeimendes Bewusstsein und eine achtsame Dankbarkeit für das eigene und unser aller Leben.

Als die Hektik unserer konsumorientierten Leistungswelt plötzlich abnahm, vieles zum Stillstand kam, Einschränkungen auf die unterschiedlichste Art und Weise erlebt und bewältigt wurden, trat eines in den Vordergrund – das eigene Sein.

Familien erlebten neue Formen des “Zusammen-Seins”. Paare definierten neue Formen des “Miteinander-Seins”, rauften sich zusammen oder auseinander. Singles erkannten die Vor- und Nachteile des “Alleine-Seins”. An manchen Abenden – das muss ich ehrlicherweise zugeben – ertrank auch ich in Wein und Einsamkeit.  Am nächsten Tag jedoch rappelte ich mich auf und folgte dem Beispiel von vielen. Auch ich räumte schließlich meinen Keller auf. Nach Marie Konto System versteht sich.

Irgendwie gelang es mir schließlich die gewonnene freie Zeit zu nutzen – ganz für mich, in Frieden, einfach alleine mit mir selbst. Ich nahm mich in meinem Sein wahr. Eine Frage tauchte durch die neu erlebte Stille in mir allerdings immer wieder auf:

Wie will ich leben?

Entspricht diejenige, die ich jetzt bin, wirklich meiner wahren Natur? Lebe ich jenes Leben, welches meiner Bestimmung entspricht? Was ist jener einzigartige Beitrag für diese Welt, der sich nur aus mir heraus entfalten kann?

Jeder von uns hat die Zeit des Lockdowns für sich unterschiedlich erlebt. Wir ziehen nun eigene Schlüsse und Lehren für das eigene Leben, das eigene Sein. Das was sicherlich in jedem von uns geweckt wurde, ist entweder die Verunsicherung – oder aber auch die Neugier, je nachdem für welchen Blickwinkel man sich lieber entscheiden will.

Was bringt die Zukunft? In welcher Form ändert sich was, wie und wann? Welche Veränderungen bleiben nachhaltig? Gelingt es uns aus der Krise zu lernen, einen achtsamen Umgang zu pflegen und künftig flexibler auf globale Veränderungen zu reagieren? Oder kehren wir aus Bequemlichkeit und Angst doch zurück in unsere alten Muster?

Eine in solcher Form noch nie dagewesene Zeit schreibt ihre Zeilen in der Menschheitsgeschichte.

Und auch in meiner eigenen Lebensgeschichte. Es beschäftigen sich nicht nur aktuelle Statistiken mit dem “neuen” Leben. Die Corona Krise hat in mir (mit nun fast 45 Jahren eventuell auch gepaart mit einer Midlifecrisis) zentrale Lebensfragen aufgeworfen. Aktuelle Umfragen besagen, dass viele ihre Werte gefestigt haben, innere Haltungen und Lebenseinstellungen überdacht haben, Modalitäten in Bezug auf Arbeit und Beruf sind flexibler geworden, eine Neuausrichtung der Lebensstile und des Konsumverhaltens hat stattgefunden. Beziehung, Partnerschaft, Familie sind wichtiger geworden. Der Wunsch nach persönlicher Freiheit und Selbstverwirklichung ist stark. Unterschreibe ich alles! Nur ich will mir plötzlich auch einen Bauernhof in Kärnten kaufen und mein eigenes Gemüse anbauen – nicht nur bedingt durch die offensichtliche Abhängigkeit von Lieferketten. Und ich bin nicht alleine in meinem Sinneswandel. Viele in meinem Familien- und Freundeskreis orientieren sich nach Innen, besinnen sich zurück auf die eigenen Werte, den eigenen Lebenssinn, wollen ihr inneres Licht entdecken und nach Außen tragen.

Einige von uns erleben, dass in einer Welt, in der man sich nicht (mehr) ständig vergleicht, bewertet und beurteilt, das, was man für erstrebenswert gehalten hat, keinen Wert mehr darstellt. Das eigentliche, einfache “Sein” rückt in den Vordergrund. Wir wollen unser “echtes” Leben leben.

Doch wie sieht das aus? Wie können wir die vor kurzem erlebte Selbstbestimmung, Zeitautonomie und Sinn- Um- oder Neuorientierung weiterhin aufrecht erhalten? Wie die Umstellung schaffen, hin zur Verwirklichung unserer inneren Potenziale ohne den Anschluss an die noch vorhandenen Systeme zu verlieren? Welche Ängste müssen wir überwinden, um so zu leben, wie es viele von uns in ihrem tiefsten Inneren fühlen, begehren, anstreben?

Wenn wir den persönlichen Veränderungsprozess achtsam und stimmig gestalten – was wollen wir eigentlich wirklich dadurch erreichen?

Für mich ist es – sicherlich durch die vielen Spaziergänge während des Lockdowns – ein wieder neu entdeckter Wert der Naturverbundenheit. Natur erleben, mit und von der Natur leben, natürlich leben. Denn, wenn wir aufhören sie zu zerstören ist sie da, die Natur. Sie ist aufs Geben ausgerichtet, nicht aufs Nehmen. Lässt uns atmen, nährt uns, verschafft uns Freude und lässt uns still werden, zu uns kommen. Wenn ich am Berg stehe oder durch die Donauauen streife, entspannt sich meine Seele, ich hole Luft, spüre Verbundenheit, besinne mich darauf, was wirklich wichtig ist. Und das ist in meinem Fall ein Leben zu führen, welches meinen Talenten, meinen Interessen, meiner Berufung entspricht, frei vom Lärm der Großstadt und dem Stress des Hamsterrades.

Nach all dem Hinterfragen und Überlegen der eigenen Wertvorstellungen während der Zeit der Krise, bleibt nun die zentrale Frage – wie gestalte ich es, mein Leben?

Ich entscheide. Halte ich fest am Gewohnten, klammere mich an eine vermeintliche Sicherheit oder nutze ich die Chancen, die Veränderungen in sich tragen und lebe nach meinem Seelenplan. Warum nicht die derzeitige globale Veränderungsenergie für sich nutzen? Wer im Moment die Freiheit besitzt neue Wege einzuschlagen – sei es nun gedanklich oder in materialisierter Form, sollte es tun. Warum nicht das eigene Leben neu und “echt” leben – beispielsweise auch am Bauernhof in Kärnten.

Es gibt nur ein Leben – zumindest in diesem Bewusstseinszustand, und das sollte gelebt werden, so wie es unserem Innersten entspricht.

Abgesehen von der eigenen Lebensgestaltung, sollte uns bewusst sein – durch die Corona Pandemie mehr denn je – dass wir alle miteinander verbunden sind, wir sind alle Eins. Wir stehen mit allem in Wechselwirkung. Somit trägt jedes einzelne bewusst und stimmig gestaltete Leben zum größeren Ganzen bei. Um ein neues Miteinander nach einer Corona Krise zu schaffen, müssen wir uns wieder mehr auf unser Mensch-Sein besinnen, dem folgen, was unsere Seelen verwirklichen wollen, in Liebe mit allem verbunden sein. Nur so erzeugen wir ein neues Bewusstsein, welches dazu beitragen wird, dass wir das 4. Szenario der Adaption leben können, wie es das Zukunftsinstitut prognostiziert. In diesem Lernszenario gehen wir nach der Krise im Gegensatz zur Totalen Isolation (1. Szenario), dem System-Crash (2. Szenario) oder der Entwicklung von Neo-Tribes (3. Szenario) flexibler mit Veränderungen um, haben ein sorgsames globales Miteinander und entwickeln neue Formen des Wirtschaftens.

Ein achtsamerer Umgang mit sich selbst, unseren Mitmenschen, der Natur und all dem, was uns umgibt, kann nur gelingen, wenn jeder in Frieden mit sich selbst ist und zufrieden sein Leben lebt.

Ich hoffe, dass wir gemeinsam einen Entwicklungsschritt machen. Hin zu einer liebevollen Verbundenheit und verantwortungsvollen Bewusstheit. Unser inneres Licht zum Strahlen zu bringen, es aufleuchten zu lassen und strahlend zu leben, ängstigt uns ja bekanntlich mehr, als unsere Schattenseiten anzuerkennen.

Dennoch ist es an der Zeit – wenn nicht jetzt, wann dann – uns zu besinnen. Auf unsere Kraft im Inneren, unser göttliches Leuchten, um dieser Welt eine neue Balance zu verleihen und ihr zu einem neuen Strahlen zu verhelfen.

 

©Kerstin Tomancok, Kärnten, am 9.9.2020

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